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Warum gerade Schweden?

Zugegeben, es hätte auch genausogut Paris treffen können. Denn bis zur Wende war ich ganz großer Parisfan, und bin es auch heute noch. Mit einem Milchkaffee an einem Boulevard sitzen und die Leute beobachten, an der Seine entlangschlendern, im Louvre die ganz große Kunst bestaunen; das ist so ein kleiner Tagtraum, den ich im Herzen trage.

Jedoch führte mich meine allererste Reise nach dem Fall der Berliner Mauer nach Stockholm. Mit dem Zug von Dresden über Berlin, Sassnitz, Trelleborg. In Malmö habe ich ersteinmal meinen Anschluss nach Stockholm verpasst, und ich konnte kein Wort Schwedisch. Damals ahnte ich ja nicht, dass die meisten Schweden sehr gut Englisch sprechen. Am Ende kam ich wohlbehalten in Stockholm an und wurde von meiner langjährigen Brieffreundin am Bahnhof abgeholt. Ein sehr tränenreicher Empfang, denn es war doch irgendwie unglaublich, dass ich nun wirklich hier war. Es war die letzte Woche im April, und es war für diese Zeit erstaunlich warm in Stockholm.

Gleich am ersten Wochenende meines Aufentalts fuhr die gesamte Familie in ihr Häuschen auf eine Insel in den Stockholmer Schären. Ich kann mich gut erinnern, wie ungeduldig ich dort auf das Ende des Wochenendes wartete, denn ich wollte endlich die große Welt, Stockholm, sehen und nicht die Natur genießen. Noch heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke. Denn heute zieht es mich und meine Familie vor allem in die Stockholmer Schären.

Und dann endlich stürzte ich mich in das Abenteuer Stockholm. Gamla stan, Skansen, Kungliga slottet (wieso standen da alle Tore offen und große schwarze Limousinen fuhren herum? Ja, es war der 30. April, der Geburtstag des Königs und ein Bediensteter in Livree führte mich in einen großen Saal, wo ich in einem Buch einen Geburtstagsgruß für den König hinterlassen durfte. König. Tja. Sowas gibt es ja nur im Märchen, was soll ich denn einem König zum Geburtstag wünschen? Ein kurzer Gruß wurde es.)

Am Abend des 30. April erlebte ich den ersten Valborgsmässoafton meines Lebens auf Riddarholmen und habe nicht verstanden, was da eigentlich passiert. Alle sangen und jubelten und es hatte nichts mit dem König zu tun. Der Frühling wurde nach einem langen Winter begrüßt.

Am 1. Mai war ich völlig platt von der Maidemonstration in Stockholm. Ich war froh, dass ich endlich an keiner verordneten Demonstration mehr teilnehmen müsste und dann das. Die Leute gingen freiwillig und demonstrierten.

An einem Tag machten wir einen Ausflug nach Mariefred und besichtigten Gripsholm, das große dicke Schloss, das dort direkt am Mälarsee liegt. Sicher kennt ihr Kurt Tucholskys kleine Sommergeschichte "Schloss Gripsholm", und nun würde ich den Ort sogar wirklich besuchen können. Die Sonne strahlte von einem blauen Himmel, die Rapsfelder leuchteten. Ich hatte das Gefühl wir würden ewig durch dieses Strahlen und Leuchten fahren. Das Schloss empfing uns wohlwollend mit seinen roten Mauern und runden Türmen. Wir machten Fika (da wusste ich noch nicht, was für eine wichtige Pause das für die Schweden ist) mit Blick aufs Schloss. Und ich besuchte Tucholskys Grab auf dem Friedhof von Mariefred.

Mitte der Woche war ich so erschöpft von all den Eindrücken, die minütlich auf mich einstürmten, dass ich einen Ruhetag brauchte. Aber dann ging es weiter. Wir machten Picknick im Hagapark. Wir besuchten ein klassisches Konzert in der Berwaldhalle. Ich schaute mir die längste Kunstgalerie der Welt an, Stockholms blaue U-Bahnlinie. Ich fuhr nach Uppsala.

Ich kann micht nicht mehr an den Abschied erinnern und auch nicht mehr daran, wie die Rückreise nach Hause zu meiner Familie ablief. Ich weiß nur noch, dass ich zu Hause ankam und sagte: "Wir müssen alle nach Schweden fahren!"

Seitdem tun wir das. Anfangs nur mit Zelt, später auch mal in einem Häuschen, und auch wenn wir so manchen echten Schwedensommer erlebt haben mit viel Regen und eher frischen Temperaturen, wollen wir immer wieder nur dahin. Wir freuen uns an den vielen Seen. An Wald und Wiesen. An kleinen Cafés am Wegesrand. Am Loppis. An Waffeln und Zimtschnecken. An Bullerbyn und Katthult. Und jedes Mal, wenn wir nach Hause fahren, wissen wir, wir kommen wieder.